Lohnentwicklung: Gewinner- und Verliererjobs

16.04.2018 - Mitteilung

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In welchen Branchen hat sich der Lohn über das letzte Jahrzehnt positiv verändert? Welche Berufe haben Lohneinbrüche erlebt? Der Bund hat eine Zusammenstellung vorgenommen. 

Ob Berufsoffizier, Assistenzärztin, Primarschullehrer, Hebamme, Pflegefachfrau oder Kleinkinderzieherin – in all diesen Berufen sind die Mindestlöhne zwischen 2006 und 2018 um 18 bis 36 Prozent gestiegen. Die Beschäftigten in staatlich kontrollierten oder dominierten Wirtschaftszweigen verzeichneten in den letzten zwölf Jahren die höchsten Lohnzuwächse. In der Privatwirtschaft beliefen sich die Lohnerhöhungen im gleichen Zeitraum bestenfalls auf 10 bis 18 Prozent – mit der bemerkenswerten Ausnahme der Gärtner, deren Mindestlohn um 27 Prozent zugenommen hat.

Diese Angaben finden sich im «Lohnbuch Schweiz 2018», welches das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich dieser Tage veröffentlicht hat. In der aktuellen Ausgabe sind rund 9400 Lohnangaben enthalten; sie stammen aus Gesamtarbeitsverträgen sowie aus Empfehlungen und Statistiken hiesiger Berufs- und Arbeitgeberverbände.

Michael Siegenthaler, Arbeitsmarktexperte bei der KOF Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich, führt die überdurchschnittlichen Lohnzuwächse namentlich in den Pflege- und Erziehungsberufen auf den Nachholbedarf zurück. «Vor 2006», so Siegenthaler, «sind die Löhne von Lehrern weniger gewachsen als in den meisten Vergleichsberufen.» Doch gerade bei Lehrkräften habe die Lohnhöhe einen starken Einfluss auf das Interesse am Job, zumal die betreffenden Leute über berufliche Alternativen verfügten. «Und je mehr sich die Schweiz in Richtung einer Wissensgesellschaft bewegt, desto wichtiger ist ein ausreichendes Angebot an gut qualifizierten Pädagogen», sagt der KOF-Experte.

Ähnliche Mechanismen spielen im Pflegesektor. Die Überalterung sorgt für einen zunehmenden Bedarf an Ärzten und Pflegern – und diesen muss die Schweiz mangels eigener Kräfte in erheblichem Masse im Ausland decken. Da führt kein Weg vorbei an attraktiveren Löhnen. Bei Assistenzärzten zum Beispiel beträgt das Plus seit 2006 fast ein Viertel oder 24 Prozent. 

Bei den Berufen, die lohnmässig im unteren Tabellenteil zu finden sind, kamen Gebäudeunterhaltsreiniger,  Dentalassistentinnen, Coiffeusen, Bäcker, Floristinnen und Metzger mit Lohnzunahmen von 14 bis 19 Prozent am besten weg. Allerdings: Nur die drei letzteren Berufe konnten in den vergangenen zwölf Jahren die Schwelle von 4000 Franken pro Monat erreichen oder minimal überspringen. Gewerkschafter kritisieren immer wieder Löhne, die unter dieser Schwelle liegen. Im selben Zeitraum sind auch die Mindestlöhne von Köchen, Kellnern, Automechanikern, Elektromonteuren und Gärtnern mehr oder minder stark über die 4000-Franken-Marke geklettert. Für Taxifahrer hingegen liegt diese im Zeitalter von Uber so weit entfernt wie je. Sie verdienen heute 800 Franken weniger.

Quelle: Der Bund, 1. April 2018 

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